Um die Bevölkerung vor allzu großer "Beunruhigung" zu schützen, werden Meßergbnisse möglichst gar nicht erst veröffentlicht...
Am 6. Mai 1986 berichtet die Süddeutsche Zeitung aus Bayern:

Erding, 6. Mai: Eine Woche nach dem verheerenden Reaktorunglück im sowjetischen Tschernobyl beginnt nun auchdas Erdinger Landratsamt daß Aus maß der erhöhten Strahlenbelastung im Landkreis festzustellen. Von den Meßergebnissen soll allerdings die Bevölkerung, so der stellvertretenden Presse sprecher der Behörde Heinz Fischer, nur erfahren, wenn die zulässigen Höchstwerte überschritten werden. Verwunderlich stimmt auch, daß die Ergebnisse intern vorgenommener Messungen der Molkereigenossenschaft vorerst geheimgehalten werden. Die Meßwerte lägen zwar nach Auskunft des Geschäftsführers Helmut Müller, unter der Gefahrenschwelle von 500 Becquerel, die STrahlenbalastung insgesamt sei jedoch, laut Müller, "relativ hoch". Die Bevölkerung soll durch die Meßergebnisse "nicht unnötig verunsichert werden" wünscht sich Müller.
Auch das Gesundheitsamt in Erding weiß die aktuelle Strahlenbelastung nicht in Zahlen auszudrücken. Auf Anfrage bestätigte Lotte Morasch zwar, daß eine "Arbeitsgruppe" mit Mitarbeitern des Landratsamtes, der Gesundheitsbehörde und des Veterinäramtes im Landkreis Messungen vornimmt. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt lägen ihr jedoch keine Meßergebnisse vor. Sie könne lediglich allgemeine Empfehlungen weitergeben.
Der Strahlenschutzbeauftragte des Amtes für Landwirtschaft, Bernhard Henneberg, zeigte sich "vor den Kopf gestoßen", weil er nicht zur Arbeitsgruppe der Behörden gebeten worden sei. "Wir erhalten pausenlos Anrufe von sehr besorgten Landwirten und werden vom Landratsamt, was den Informationsfluß angeht, total vernachlässigt!", wunderte sich henneberg.
Süddeutsche Zeitung, 6.5.1986
Währenddessen hat die BILD-Zeitung schon die ersten Atomflüchtlinge ausgemacht

In derselben Ausgabe betont Kanzleramtsminister Schäuble, daß die deutschen Atompläne durch Tschernobyl nicht beeinflußt werden. Sowohl der schnelle Brüter in Kalkar, als auch die Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf würden gebaut.
(BILD: "wird die WAA Wackersdorf tatsächlich gebaut?"
Schäuble: "Aber ja. Auch für Wackersdorf gilt: Wir stehen zu unserem Wort. Es gibt keinen Grund, Wackersdorf nicht zu bauen.")