Die Funktionsweise des RBMK-1000
Der Tschernobyl-Reaktor ist ein Graphit-moderierter Leichtwasser-Reaktor der Baureihe RBMK-1000 mit einer elektrischen Leistung von 1000 Megawatt.

Das wichtigste Merkmal des Reaktorkerns sind die annähernd 1700 Druckröhren (1), die die Brennelemente umgeben. Die weltweit einmalige Entwicklung erfordert die seperate Kühlung der Brennelemente mit Wasser, so daß diese unabhängig von den anderen abgestellt werden können und somit einzeln zugänglich sind.
Das Kühlwasser fließt aus den acht Hauptumwälzpumpen (2) zu den Rohrabzweigungen (3), wo es von unten auf die Durckröhren verteilt wird. Durch diese Röhren wird es nach oben gepreßt, um dann über Sammelrohre (4) zu den Turbinen geleitet zu werden. Dort wird der Strom erzeugt. Die Turbinen sind im Maschinenhaus untergebracht (auf der Abbildung nicht erkennbar). Dort befindet sich auch die Schaltwarte, in der die Techniker sämtliche Funktionen Tag und Nacht überprüfen.
Um die Kettenreaktion im Reaktor kontrollierbar zu machen, ist ein sogenannter Moderator notwendig; in diesem Fall Graphit. In den heute gängigen Atomkraftwerken wird diese Aufgabe von Wasser erfüllt.
Im RBMK-1000 setzt sich das Graphit aus einer Unzahl von Ziegeln zusammen, die ein Gesamtgewicht von 1700 Tonnen haben. Die Ziegel sind in einem Block (5) zusammengefügt, in den Kanäle für die Brennelemente und Wasserrohre eingelassen sind. Der Block selbst ist von einer luftdichten Schutzhülle (6) ummantelt, in die Stickstoff und Helium gefüllt ist, um eine Selbstentzündung des Graphits zu verhindern.
Über dem Reaktor kann ein 20 Meter hoher Ladekran (7) fahren, mit dem einzelne defekte oder abgebrannte Brennelemente - auch während des Betriebs des Reaktors -, von der Dampferzeugung abgekoppelt, herausgezogen und in das direkt daneben liegende Abklingbecken (8) versenkt werden können.
Die Umhüllung des Reaktors besteht aus einer einfachen Betonkonstruktion. Das Reaktorgebäude ist - deutlich sichtbar - kaum stabiler als eine normale Fabrikhalle ausgelegt.
Der Reaktor mit dem Januskopf - der RBMK-1000
An wohl keinem anderem Reaktortyp wird die Doppelfunktion der Atomenergie so deutlich, wie an der RBMK-Baureihe von Tschernobyl. Der Reaktorkern ist so ausgelegt, daß die Techniker die Möglichkeit haben, die Brennstäbe einzeln abzustellen, auch wenn die anderen Brennstäbe noch in Betrieb sind. Durch diese technische Entwicklung könnte Plutonium zu einem Zeitpunkt entnommen werden, zu dem es einen hohen Reinheitsgrad aufweist und deshalb für die Bombenproduktion gut geeignet ist.
Wohlgemerkt, hierauf sei mit aller Deutlichkeit hingewiesen, RBMK-1000 ist ein ziviles Atomkraftwerk und primär für die Stromerzeugung ausgelegt. Ein möglicher militärischer Nutzeffekt läßt sich jedoch nicht leugnen.